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November 10 2010
Petition: Suchtgefahren - Unterstützung für Suchtkranke und ihre Familien
Repost: In dieser Petition geht es um das Anliegen "Therapie und Aufklärung statt Strafe"
Leider haben erst ca. 700 Leute unterschrieben. Bitte macht für diese Petition Werbung!
Der Deutsche Bundestag möge Initiativen ergreifen, die ein menschenwürdiges Leben für suchtkranke Kinder und deren Angehörige ermöglichen.
Begründung
Wir, die Eltern von suchtkranken Kindern bzw. verstorbenen Drogenabhängigen, haben uns im Internet zusammengefunden.Wir haben festgestellt, dass wir alle das gleiche Leid tragen, weil unsere Kinder süchtig sind. Wir fühlen uns mit unserem Leid allein gelassen, ausgegrenzt und durch die Gesellschaft stigmatisiert. Dies äußert sich durch die Verhaltensweisen von Ärzten, Polizisten, Richtern und Behörden.
Wir wollen das Leid und Elend unserer Kinder nicht länger schweigend hinnehmen. Auch die gesunden Geschwister und die ganze Familie leiden.
Suchtkranke und ihre Familien verelenden sozial und finanziell. Es fehlen Therapieplätze und unterstützende Maßnahmen für betroffene Familien. Schwerpunkt in der Suchtbekämpfung sind zur Zeit regressive statt unterstützende/heilende Maßnahmen. Wir benötigen jedoch Therapie und Aufklärung statt Strafe. Wir brauchen mehr Substitutionsvergabestellen und Cafés, in denen die Suchtkranken eine Anlaufstelle (auch zum Waschen und Duschen) für Hilfe durch Sozialarbeiter finden. Ferner sollte die Grundlagenforschung für Suchterkrankungen finanziell besser gefördert werden.
June 09 2010
Überproportionale Ausgaben für Repression
Die Universität Duisburg-Essen, Lehrstuhl für Medizin-Management, und das Institut für Therapieforschung (IFT) in München haben in einer Studie eine Schätzung der Ausgaben der öffentlichen Hand durch den Konsum illegaler Drogen in Deutschland vorgenommen. Zusammengefasst ergibt sich aus den verschiedenen Bereichen eine Gesamtsumme der öffentlichen Ausgaben für illegale Drogen in Höhe von 5,2 bis 6,1 Mrd. Euro. Bei diesem Betrag handelt es sich tendenziell um eine Unterschätzung der wahren Ausgaben, da in einigen Bereichen keine Informationen vorlagen und für die Berechnungen in anderen Bereichen eher konservative Schätzwerte herangezogen wurden.
Die Drogenpolitik der Bundesregierung basiert auf vier Säulen: 1. Prävention; 2. Behandlung von Suchterkrankungen; 3. Überlebenshilfen (z. B. Drogenkonsumräume, Notfallhilfe) für schwerstabhängige Menschen und 4. Angebotsreduzierung und repressive Maßnahmen. Letztere sollen nach offizieller Aussage dazu beitragen, dass das Ausmaß an Suchterkrankungen durch eine verminderte Verfügbarkeit der Suchtmittel reduziert wird. Die Bundesregierung postuliert: »Angebotsreduzierung und repressive Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Ausmaß an Suchterkrankungen durch eine verminderte Verfügbarkeit der Suchtmittel reduziert wird.« Dass dieses Postulat ein Irrtum ist, beweisen vielfältige Daten der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen- und Drogensucht (European Monitoring Centre for Drugs and Drug Addiction, EMCDDA). Danach kiffen nur 5,3% der holländischen Jugendlichen aktuell, in Deutschland sind es hingegen 7,6% entsprechend einem Bevölkerungsanteil von 460.000 Personen. Hölländische Jugendliche kiffen weniger. Die freie Verfügbarkeit von Gras und Haschisch in hollänischen Coffeeshops führt somit nicht zu einer erhöhten Nachfrage bei jungen Menschen, oder anders ausgedrückt, die Repression in Deutschland hat keine präventive Wirkung. Dennoch wird in Deutschland mehr Geld für die Repression ausgegeben als für die anderen drei Säulen der Drogenpolitik insgesamt.
Die Ausgaben für die öffentliche Sicherheit und Ordnung im Zusammenhang mit illegalisierten Drogen liegen bei 3,4 bis 4,4 Mrd. Euro und machen mit 65% bis 70% den mit Abstand größten Teil der ermittelten Staatsausgaben in Bezug zu illegalen Drogen aus. Die Ausgaben für das Gesundheitswesen (inkl. Drogenberatungstellen und Kampagnen) und die soziale Sicherung haben mit einer Höhe von 1,8 bis 1,9 Mrd. Euro einen Anteil von 30% bis 35% an den Gesamtausgaben in Zusammenhang mit illegalen Drogen. Der Anteil der Ausgaben für die allgemeine öffentliche Verwaltung (vor allem die Ausgaben für Entwicklungshilfe und Zollfahndung) liegt mit 40,2 Mio. Euro bei unter 1% .
Vergleicht man die Ausgaben, die speziell für den Bereich illegalisiete Drogen getätigt werden, mit den Gesamtausgaben für die jeweilige Staatsfunktion, ergibt sich folgendes Bild: Die Ausgaben mit Bezug zu illegalisierten Drogen machen im Bereich »allgemeine öffentliche Verwaltung« (Gesamtausgaben: 129,6 Mrd. Euro) 0,03% der Ausgaben aus. Im Bereich öffentliche Sicherheit und Ordnung (Gesamtausgaben: 37,1 Mrd. Euro) stehen etwa 9,1% bis 11,4 % der Ausgaben im Bezug zu illegalisierten Drogen, im Gesundheits und Sozialwesen (Gesamtausgaben: 642,2 Mrd. Euro) dagegen nur ungefähr 0,3%.
Datenquelle: S. Mostardt, S. Flöter, A. Neumann, J. Wasem, T. Pfeiffer-Gerschel (2009): Schätzung der Ausgaben der öffentlichen Hand durch den Konsum illegaler Drogen in Deutschland, in: Das Gesundheitswesen, Georg Thieme Verlag KG Stuttgart · New York ISSN 0941-3790
May 02 2010
Informationen zu Drogen frei Haus
Der Rundbrief der Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. (DGS) erscheint nun seit sechs Jahren. Knapp 50 reguläre und Extraausgaben haben dem Rundbrief der DGS eine Verbreitung von über 2.600 Abonnements gesichert. Der Rundbrief hat sich in diesen sechs Jahren zu einem ausführlichen Journal entwickelt mit Dutzenden von Hinweisen zu online verfügbaren Publikationen rund um das Thema Drogen. Der Rundbrief zählt heute zu den besten Informationsplattformen im Bereich Drogen. Sehr empfehlenswert!
Nach dem Leittext gibt es jeweils Informationen aus der Gesellschaft für Suchtmedizin (DGS) und dann in Rubriken gegliedert Fachinformationen und Hinweise zu Artikeln aus der Presse. Die Rubriken sind wie folgt gegliedert: AntiSTigma, Bundesverband akzeptierender Drogenarbeit (AKZEPT), Deutsche Aidshilfe (DAH), Junkies – Ehemalige – Substituierte (JES), Bundesverband der Eltern und Angehörigen für akzeptierende Drogenarbeit e.V., Stellenanzeigen, Industrienachrichten, Recht und Gesetz, Drogenpolitik, Prävention, Begleitkrankheiten, Substanzen, Substitutionsbehandlung, Gender, Einwanderung – fremdsprachige Informationen, Fort- und Weiterbildung, Kongresstermine, Schadensminderung (harm reduction), Internationales, War on Drugs, Neuerscheinungen, Service – Materialien – Links – Verschiedenes, Sex & Drugs & Rock ‘n’ Roll, aus dem Redaktionspapierkorb. In der letzten Rubrik findet man jeweils die skurilsten Presseberichte, so in der Maiausgabe (dgs-info, Ausgabe 38, Mai 2010) ein Hinweis zur Bild: »Hamburg. Polizei warnt vor Horror-Hasch. (Bild Hamburg, 13.04.2010)«. Dort wird berichtet, dass die Kiffer immer jünger werden, eine Feststellung, die man bereits vor mehr als 40 Jahren zu Zeiten der Änderung des Opiumgesetzes in das neue Betäubungsmittelgesetz in den Massenmedien und Berichten skuriler Experten lesen konnte.
Der Rundbrief (dgs-info) wird herausgegeben vom Vorstand der DGS – Deutsche Gesellschaft für Suchtmedizin und erscheint monatlich. Der Bezug ist kostenlos. Alle Rundbriefe sind im Archiv der DGS online im Internet verfügbar.
Verantwortlicher Redakteur: Hans-Günter Meyer-Thompson (Kathmandu/Nepal). Ständige Mitarbeiter: Ralf Gerlach (Münster), Mathias Häde (JES-Bielefeld), Inge Hönekopp (Mannheim), Ingo-Ilja Michels (Berlin), Robert Newman (New York), Newshawks von MAP.de, Max Plenert (Berlin), Ulrich W. Preuss (Halle/Saale), Dirk Schäffer (DAH, Berlin), Jörn Schroeder-Printzen (Potsdam), Rainer Ullmann (Hamburg), Georg Wurth (DHV, Berlin).
March 17 2010
Begleiteter Neocor-Trip für 100 Euro
Miese Aussichten für psycholytische Psychotherapeuten
Im Prozess um die tödliche Psychotherapiesitzung in Hermsdorf stand am Montag Mike, 47, im Zeugenstand. Auch wenn er eine entgleiste Variante beschreibt, geben seine Schilderungen doch interessante Einblicke in den Ablauf einer Psychotherapiesitzung mit Substanzkonsum, auch genannt Psycholyse.
Für 100 Euro, so Mike, wurde den Teilnehmern eine “Intensivsitzung” angeboten in deren Verlauf zweifach verschiedene psychoaktive Substanzen zur Auswahl standen. MDMA, also Ecstasy und Neocor, auch bekannt als Methylon. Dargereicht vom Psychotherapeuten.
“Er sagte, dass die Stoffe uns zur Verfügung stehen”, sagt Mike und “Jeder sollte sich überlegen, was er an diesem Tag machen möchte, ob er überhaupt Substanzen nehmen möchte und wenn ja, welche” – “Meines Erachtens hat er darauf hingewiesen, was diese Substanzen bewirken können und auch, dass Nebenwirkungen auftreten können.” Umfassende Aufklärung fehlte wohl jedoch: “Was es war, weiß ich nicht, welche Inhaltsstoffe da drin sind”, sagt Mike. Er hat Neocor genommen. Ein Blick ins Netz hätte ihn schlauer gemacht.
Die Drogen werden bei den Therapiesitzungen entweder in Kapselform oder als Pulver in Wasser gelöst, gereicht. Mike erklärt: “Wir haben in einem Zimmer gesessen und nach meinem Dafürhalten ist Garri rausgegangen, kam dann nach einer Weile mit einem Tablett wieder rein, dann ist er an den Menschen vorbeigegangen, dann wurden wir aufgefordert es noch eine Weile in der Hand zu behalten und zu überlegen, was wir jetzt machen wollen.”
Mikes Ziel war, “durch Neocor zu einer besonderen Art der Klarheit zu kommen.” Herausgekommen ist das: “Ich bin sitzengeblieben um alles zu beobachten und dann wird es schwammig bei mir” – “Menschen krabbelten, andere waren körperlich sehr aktiv oder aufgeregt, haben Töne von sich gegeben”, andere waren „nähe-suchend, ja kuschelig.“
Dann kam der Bruch, zwei Menschen starben. Weil die Verdrängung in den Schwarzmarkt eine genaue Dosierung der Substanzen unmöglich machte. Mike zeigt sich da unbedarft. Als der Richter ihn fragt „Ist ihnen bekannt, dass MDMA unter das Betäubungsmittelgesetz fällt?“, antwortet er: “Nein.”
Der Allerunaufgeklärteste ist jedoch der Staatsanwalt. In der Frage: “Wie wurden sie auf die Sitzungen vorbereitet in der Necomar oder MDA genommen werden sollten?”, schafft er es beide Substanznahmen falsch auszusprechen, obwohl Richter und Zeuge vorher bestimmt eine halbe Stunde lang gekonnt damit jonglierten. Autor und Verteidiger Ferdinand von Schirach verzieht hinter seinem Apple-Laptop angewidert das Gesicht.
March 10 2010
Therapien mit Psychedelika
Therapien mit Psychedelika sind verboten, werden aber dennoch praktiziert. Die Psycholytische Psychotherapie beispielsweise nutzt die Einnahme bewusstseinsverändernder Substanzen zur Unterstützung psychotherapeutischer Behandlungen. Ein Ansatz, dessen Potentiale und Risiken außerhalb des gesellschaftlichen Wahrnehmungsbereichs liegen, weil die Therapie in den meisten Fällen schlicht illegal ist.
Jeder darf mitmischen (und mischen jetzt mal im wahrsten Sinne des Wortes), Vereinbarungen über Vereinbarkeit bestimmter Substanzen oder allein schon Dosierung und Auswahl der Droge je nach Therapieziel existieren nicht. Gestern stand deshalb ein 35jähriger selbsternannter Schamane vor dem Amtsgericht Hamburg (dpa/Ino). Durch die Verabreichung psychoaktiver Gewürzgurken wollte er die Sehstörung eines Bekannten heilen. Der Bekannte zahlte dafür 20.000 Euro und bekam einen mittelprächtigen LSD-Rausch. Dem Augenleiden hat es nichts geholfen.
Was noch dabei herauskommen kann, wenn man solche Verfahren in den unkontrollierten Untergrund drängt, wird ab Donnerstag im Kriminalgericht Moabit verhandelt. Dort wird dem “Drogenarzt Garri R.” der Prozess gemacht, der seine Patienten dermaßen miserabel dosierte, dass er nun zwei Menschenleben auf dem Gewissen hat. Prozessbericht folgt.
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